Berufungsgeschichte Sr. Eva-Maria
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Sr. Eva-Maria Kreimeyer OSB
geboren 1970
Eintritt: 1989
Profess: 1992
Berufsausbildung als Bürokauffrau
Ausbildung für Geistliche Begleitung
Jemand muss wachen
unten an der Brücke,
um deine Ankunft zu melden, Herr,
du kommst ja doch in der Nacht
wie ein Dieb.
Wachen ist unser Dienst, wachen.
Auch für die Welt.
Sie ist so leichtsinnig,
läuft draußen herum,
und nachts ist sie auch nicht zu Hause.
Denkt sie daran, dass du kommst?
Dass du ihr Herr bist und sicher kommst?Silja Walter
Ich bin in einem Dorf im Münsterland geboren und als viertes Kind in einer gut katholischen Familie aufgewachsen. In den 1970er-Jahren war das nichts Ungewöhnliches. Der Glaube gehörte selbstverständlich zu unserem Alltag: der sonntägliche Messbesuch, Tischgebete, Morgen- und Abendgebete, der regelmäßige Rosenkranz am Abend, die Beichte vor Weihnachten und Ostern sowie Wallfahrten – meist zum nahegelegenen Telgte zum Gnadenbild der schmerzhaften Mutter.Meine Eltern führten eine eigene Firma und wir lebten in gesicherten, wohlhabenden Verhältnissen. Für mich bedeutete das vor allem eines: Sicherheit. Doch eines Tages brach diese „heile Welt“ jäh zusammen. Die Firma ging in Konkurs, und von einem Moment auf den anderen änderte sich alles. Ich erlebte, wie meine Eltern in dieser existenziellen Krise Halt im Glauben suchten – und ihn auch fanden.In mir entstand damals, ich war etwa zwölf Jahre alt, eine grundlegende Frage: Gibt es diesen Gott wirklich? Und kann auch ich im Glauben an ihn Halt finden? Diese Frage beschäftigte mich sehr, aber ich sprach mit niemandem darüber. Schließlich begann ich, mit dieser inneren Suche das Neue Testament zu lesen – in der Hoffnung, dort eine Antwort zu finden. Bald merkte ich, dass die Evangelien keine historische Wahrheit im modernen Sinn vermitteln; dafür gab es zu viele Unterschiede und Spannungen. Aber ich spürte sehr deutlich: In ihnen steckt eine andere, tiefere Wahrheit – eine sinngemäße, existenzielle Wahrheit. Und ich kam zu der inneren Gewissheit: Ja, ich glaube, dass das wahr ist.Und daraus ergab sich für mich eine klare Konsequenz: Wenn das wahr ist, wenn es diesen Gott wirklich gibt, dann will ich mein Leben ganz auf diesen Gott setzen. Dann will ich alles, was ich bin und habe, diesem Jesus Christus schenken. In mir wuchs der tiefe Wunsch, mich ganz zu geben, mich zu verschenken.In dieser Zeit begann ich auch darüber nachzudenken, was ich beruflich einmal machen wollte. Der Arztberuf faszinierte mich sehr. Gleichzeitig war mir klar, dass ich schulisch viel investieren müsste, um die Voraussetzungen für ein Medizinstudium zu erfüllen. Ich war bereit, diesen Weg zu gehen und mich dafür anzustrengen. Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde mir: Dieser Beruf würde mich zeitlich und kräftemäßig so stark fordern, dass kaum Raum für anderes bliebe. Wenn dann noch der Wunsch nach Familie hinzukäme, würde für meine tiefe Sehnsucht, Gott zu suchen und mich intensiv mit ihm zu befassen, kaum Platz bleiben. Immer klarer wurde mir: Wenn ich wirklich ein intensives Leben mit Gott führen wollte, musste ich diesen Weg loslassen.So stellte sich mir die Frage: Wie kann ein Leben aussehen, in dem die Beziehung zu Gott wirklich im Mittelpunkt steht? Damit kam zum ersten Mal die Frage nach dem Ordensleben auf. Doch Nonne werden? Das konnte ich mir zunächst überhaupt nicht vorstellen. Ich hatte keine Ordensleute in der Verwandtschaft, und die wenigen, die ich vom Sehen kannte, erschienen mir eher befremdlich als anziehend. Ordensfrau zu werden, wollte ich ganz bestimmt nicht – allein der Gedanke war mir peinlich. Ich dachte alle möglichen Alternativen durch, fand aber keine, die wirklich stimmig war.Lange steckte ich innerlich in dieser Sackgasse, bis ich schließlich ein sehr schlichtes, ehrliches Gebet wagte:
„Gott, wenn du möchtest, dass ich ins Kloster gehe, dann musst du mich dafür begeistern.“
Denn genau das fehlte mir völlig. Und genau das geschah dann – langsam, aber deutlich. Orden, Klöster und das Leben als Nonne begannen mich immer mehr zu faszinieren. Schließlich konnte ich es mir eingestehen: Ich will Nonne werden.Meine Eltern hatten die Kirchenzeitung abonniert. Dort fand sich immer wieder ein Coupon zum Ausschneiden, auf dem man ankreuzen konnte, wofür man sich interessiert: Ordensberuf, Priesterberuf, Gemeindereferent* u. a. Ich schickte diesen Coupon an die Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ und erhielt bald darauf Informationsmaterial zum Ordensleben für Frauen. Darunter war ein DIN-A5-Heft, in dem verschiedene Orden vorgestellt wurden: Franziskanerinnen, Benediktinerinnen, Dominikanerinnen, Karmelitinnen, Klarissen und andere.Ich las dieses Heft sehr aufmerksam und strich Seite um Seite all jene Gemeinschaften durch, die für mich nicht infrage kamen. Übrig blieben schließlich die Karmelitinnen, die Klarissen und die Benediktinerinnen. Damals kannte ich den Unterschied zwischen aktiv-karitativen und kontemplativen Orden noch nicht – aber meine Auswahl zeigte deutlich, dass ich eine kontemplative Lebensform suchte. Ich schrieb alle drei Gemeinschaften an und wartete gespannt auf Antwort. Die Briefe und später auch persönliche Besuche in zwei Klöstern halfen mir weiter.Noch bevor ich die Benediktinerinnen in Osnabrück besucht hatte, spürte ich ganz tief: Das ist der Ort meiner Berufung. Und als ich zum ersten Mal dort war, wusste ich es mit innerer Gewissheit: Das habe ich gesucht. Hier bin ich richtig. Weitere Besuche bestätigten diesen Eindruck. So trat ich schließlich mit 19 Jahren, direkt nach dem Abitur, in die Gemeinschaft ein.