Leben in einer Tradition - Benediktinerinnen Osnabrück

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Leben in einer Tradition



Höre mein Sohn
auf die Lehre des Meisters
und neige das Ohr deines Herzens.
Regel des hl. Benedikt


 
Diese Lebensform haben wir uns nicht selbst ausgedacht. Benedikt von Nursia lebte etwa von 480 - 547 in Italien in der Nähe von Rom und hat eine Regel verfasst, nach der wir heute noch leben. Diese Regel baut bereits auf anderen Vorgängerregeln auf und vermittelt so die Lebenserfahrung und -weisheit mehrerer Generationen von Mönchen und Nonnen. Seit 1500 Jahren leben Männer und Frauen nach dieser Regel. Immer wieder hat es Niedergang und Aufschwung, Sterben und Neuanfang gegeben. In einer Tradition zu leben, bedeutet nicht, starr an Vorgegebenem festzuhalten, sondern es in die eigene Zeit zu übertragen und zu aktualisieren. So hat es viele Reformen gegeben, und so gibt es heute weltweit sehr unterschiedliche Ausprägungen benediktinischen Lebens. In Deutschland gibt es die Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament, die Benediktiner der Beuroner Kongregation in Männer- und Frauenklöstern, die Missionsbenediktiner und -benediktinerinnen und einzelne Klöster, die keiner dieser Gruppen angehören. Als eine der Reformbewegungen entstanden im 17. Jahrhundert in Frankreich unter der Leitung von Mutter Mechtilde de Bar (1614-1698) die Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament. Mechtilde de Bar verband mit der benediktinischen Lebensform die in ihrer Zeit aufblühende und weitverbreitete Praxis der eucharistischen Anbetung. Dieser Tradition gehört auch unser Kloster an. Die Formen und Ausdrucksweisen haben sich in den 350 Jahren seit der Gründung verändert, aber das Anliegen bleibt dasselbe: Der Liebe Christi, die sich uns in unüberbietbarer Weise in der Eucharistie mitteilt, nichts vorziehen und aus der Verbundenheit mit ihm zu neuen Menschen werden.
Eines der drei Gelübde, die Benediktinerinnen ablegen, ist die „Conversatio morum“, etwas frei aber treffend übersetzt mit „klösterlichem Lebenswandel“. Es geht darum, sich ein Leben lang wandeln zu lassen, immer im Prozess der Umkehr, der Hinkehr zu Christus zu bleiben. Dabei will die Regel Benedikts helfen und eine Orientierung sein. Benedikt beschreibt im siebten Kapitel den „Königsweg“: Die zwölf Stufen der Demut. Der Weg der Demut ist ein Weg der ehrlichen Selbsterkenntnis unter dem liebenden Blick Gottes. Dieser Weg ist kein Spaziergang und immer wieder mit schmerzlichen Prozessen des Scheiterns und des Neuanfangens verbunden. Benedikt zitiert hier den Apostel Paulus und sagt: All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat (RB 7,39 und Röm 8,37). Und an anderer Stelle spricht er uns tröstend zu: An der Barmherzigkeit Gottes niemals verzweifeln (RB 4, 74).
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü