Ein Leben lang Gott suchen - Benediktinerinnen Osnabrück

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Ein Leben lang Gott suchen














Benediktinerin -
ein Leben lang Gott suchen

Ein Text von
Sr. Ursula Wahle OSB


„Wieso sind sie denn ins Kloster gegangen?“ Diese Frage bekommen wir immer wieder gestellt, wenn wir Menschen etwas über unser Leben erzählen. Das fragen Kommunionkinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen, die zu uns ins Kloster kommen, um etwas über diese fremde Welt hinter Klostermauern und die Menschen zu erfahren, die dort leben. Ich sage dann immer: „Das kann ich nicht mit einem Satz beantworten, dazu muss ich ihnen eine Geschichte erzählen.“ Dann erzähle ich davon, wie ich in einer rheinisch-katholischen Familie und Gemeinde aufgewachsen bin, dass ich auf einer Klosterschule war und die nach dem 10. Schuljahr verlassen habe, um auf eine staatliche Schule zu wechseln, weil ich nicht mehr unter der Obhut von „Nonnen“ stehen wollte. Mein fester Wunsch war es, zu heiraten und dann auch eine Familie zu haben. Nach dem Abitur wurde ich Krankenschwester, begann anschließend ein Theologiestudium und fand doch keine Ruhe. Ich blieb auf der Suche nach dem, was meinem Leben einen alles umfassenden Sinn geben könnte. Die Tür dazu öffnete sich mir an einer Klosterpforte mitten in Köln. Eigentlich wollte ich nur ein paar Tage in die Stille und in Ruhe nachdenken, wie es in meinem Leben weitergehen sollte. Nonne zu werden, gehörte nicht zu den Möglichkeiten, die mir vorschwebten. Aber dann erlebte ich diese Tage mit Psalmengesang, stillem Gebet, gemeinsamen schweigenden Mahlzeiten, Schwestern bei der Arbeit, ein Leben in entschiedener Einfachheit und es ließ mich nicht mehr los. Wieso leben diese Frauen so? Wenn man so einfach lebt und so ganz anders als die Welt, die das Kloster umgibt, muss es doch einen tiefen Grund dafür geben. Gott suchen im Gebet, in den Widrigkeiten des Lebens, im Hören auf die Weisung eines anderen. Benedikt sagt in seiner Regel im Kapitel über die Aufnahme der Brüder – und das gilt auch für Schwestern: Man achte sorgfältig darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht (RB 58,7). Wenn ich Gott suchen will, dann darf ich mich nicht ablenken lassen, dann muss ich das Vielerlei lassen, um das Eine zu finden. Und ich darf nicht zurückschrecken vor der Mühe, die mit dieser Suche verbunden ist. Jesus sagt das so schon im Evangelium: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der im Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker (Mt 13,44). Die Ahnung, dass es in diesem „Kloster-Acker“ den Schatz gibt, den ich suchte, war so stark, dass ich es wagte, alles andere dafür zu verlassen.
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